Die Trauben sind geerntet, die Blätter an den Rebstöcken nehmen Rot- und Goldtöne an. Wir sind nach Sion gefahren, um diese Farbenpracht zu erleben. Das Unterwallis gilt als eine der sonnigsten Gegenden der Schweiz. An über dreihundert Tagen im Jahr soll hier die Sonne scheinen. Von den günstigen Bedingungen profitieren die Landwirtschaft und besonders der Weinbau. Die Wettergunst hat allerdings ihren Preis. Damit die Kulturen nicht austrocknen, brauchen sie regelmässige Bewässerung.
Zu diesem Zweck haben die Walliser schon im Mittelalter sogenannte Suonen angelegt, mit denen sie Gletscherwasser auf Wiesen und Rebberge leiten können. Im französischsprachigen Kantonsteil nennt man einen solchen Bewässerungsgraben «bisse». Mehreren davon folgt unser Wanderweg. Nach kurzem Aufstieg von Pont-de-la-Morge erreichen wir den Bisse de Mont d’Orge und folgen ihm bis zum Lac de Mont d’Orge, wo wir auf den Wanderweg Richtung Drône wechseln. Nach kurzer Zeit steigen wir Richtung Sion ab. Am oberen Rand des Städtchens kehren wir in der Brasserie Valaisanne ein. Wir haben einen sommerlich warmen Herbsttag erwischt und wählen einen erfrischenden Quinoasalat mit Tomaten und Avocado. Die dazu gereichten hausgemachten Samosas sind mit Ricotta gefüllt, der mit Zitrone und Rosmarin parfümiert ist.
Mit frischem Schwung steigen wir danach zum Bisse de Clavau auf, dem wir bis St-Léonard folgen. Die Landschaft ist schlicht und einfach eine Augenweide: Silberhell glitzert das Wasser in der Suone, die Weinberge leuchten golden, darüber strahlen die Gipfel der Walliser Hochalpen.
STECKBRIEF Pont-de-la-Morge–St-Léonard VS
Start und Ziel Von der Postautohaltestelle Pont-de-la-Morge, centre (502 m) via Lac de Mont d’Orge (650 m) und Diolly (695 m) nach Sion, Le Vieux Moulin (562 m), dann zur Bisse de Clavau und zum Bahnhof St-Léonard (503 m) Distanz 11,3 km Gehzeit 3 h 15 min Höhenmeter 340 auf- und abwärts Einkehr In Sion oder in St-Léonard