Ein Vulkan im Berner Oberland? Das kann ja wohl nicht sein. Ist es auch nicht. Doch mit seiner symmetrischen Kegelform erinnert der Vesuv in Heiligenschwendi tatsächlich an seinen berühmten Namensvetter bei Neapel. Auf diesen Hügel zieht es uns heute. Wir starten in Goldiwil und steigen vom oberen Dorfrand über die Winteregg zur Egg auf, einem ausnehmend schönen Fleckchen Erde. Im Rücken haben wir dichten Tannenwald, vor uns senken sich grüne Matten ins Tal des Hünibachs, in der Ferne erblicken wir die Stadt Thun und die Stockhornkette.
Dem Waldrand entlang steigen wir zur Multenegg ab, gelangen ebenen Wegs weiter zum Hüniboden und im Wald oberhalb des Berner Reha-Zentrums und des Dorfs Heiligenschwendi zur Hubelweid. Von da sind es nur ein paar Dutzend Schritte zum «Vulkan».
Der Berner Oberländer Vesuv erweist sich nicht etwa als gefährlich rauchender Gesteinsschlot, sondern als kleiner und harmloser, mit Gras überwachsener Hügel. Immerhin gewährt er uns aber eine aussergewöhnlich schöne Aussicht: Vor uns breitet sich der Thunersee aus, darüber ragt der Niesen auf, flankiert von einer prächtigen Parade der Berner Hochalpengipfel vom Eiger bis zur Blüemlisalp.
Nur einen Steinwurf weiter unten liegt das Hotel Bellevue, in dessen Restaurant wir nun einkehren. Die milden Temperaturen erlauben es, dass wir uns von Daniel Wälchlis Küchenteam auf der Aussichtsterrasse verwöhnen lassen. Von der nahen Oberi Halte wandern wir danach im Wald hinunter zum Tannenbühl und erreichen von dort schon bald das Dorfzentrum von Hilterfingen.
Start und Ziel Von der Bushaltestelle Goldiwil, Kirche (993 m) via Egg (1172 m), Multenegg (1084 m) und Heiligenschwendi (1102 m) zum Vesuv (1116 m), via Oberi Halte (1060 m) und Tannenbühl (705 m) zur Bushaltestelle Hilterfingen, Post (566 m)
Distanz 9 km
Gehzeit 3 h
Höhenmeter 400 aufwärts, 790 abwärts
Einkehr In Heiligenschwendi oder in Hilterfingen
Text Andreas Staeger
Diese Wanderung erschien in der Schweizer LandLiebe #3/2025.